Arbeit gegen Armut: Grundlagen, historische Genese und by Ronald Gebauer

By Ronald Gebauer

Es wird immer wieder behauptet, dass sich Sozialleistungsempfänger wegen mangelnder Lohnanreize gegen die Aufnahme von Arbeit entscheiden und damit dauerhaft in Armut verbleiben (Armutsfallentheorem). Sozialpolitische Reformen setzen aufgrund dieser Befürchtungen zunehmend auf "Arbeit gegen Armut". Ronald Gebauer untersucht in einem ersten Schritt historisch-soziologisch die Auffassung, dass Arbeit der Schlüssel zur Lösung des Armutsproblems in modernen Gesellschaften ist. In einem weiteren Schritt werden die theoretischen Grundlagen des Armutsfallentheorems diskutiert. Wie verhält es sich aber nun mit dem Realitätsgehalt des Armutsfallentheorems? Die meisten empirischen Untersuchungen belegen, dass Sozialleistungsbezug überwiegend kurzfristiger Natur ist. Ausgehend von diesen Ergebnissen wird eine eigene Datenauswertung des Sozio-ökonomischen Panels (Sozialhilfe) vorgestellt.

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Es kam heraus, dass sich im Süden Algeriens mehr als 80% der Männer von 70 Jahren und älter als beschäftigt bezeichneten. Der Statistiker, der mit der Auswertung betraut war, fragte sich, welcher Art von Beschäftigung Männer dieses Alters nachgehen konnten und verdächtigte sie offen eines Irrtums oder der Böswilligkeit. Indes, diese alten Bauern waren aufrichtig. Sie kannten die industrielle Welt und die modernen Definitionen von Beschäftigung nicht. Sie gehörten zu einer Hirten-Welt, wo die Arbeit nach Tagen gezählt wird, wo der beherzte Mann früh aufsteht, wo die Pflicht darin besteht, dem Rhythmus aller zu folgen und sich entsprechend der überlieferten Tradition zu verhalten.

Polanyi 1995: 149). Ein anderer Quäker, John Bellers, entwickelte 1696 ein Konzept, unfreiwillig arbeitslose Arme in Gewerbevereinigungen zu versammeln, in denen sie Produkte für den gegenseitigen Austausch und damit zum gegenseitigen Nutzen herstellen sollten (vgl. Polanyi 1995: 150). Arbeit wurde nun ganz offen in Bezug zu Armut gesetzt31, auch wenn der Gedanke, dass sich Arme durch eigene Arbeit finanziell besser stellen könnten oder sollten, noch nicht erscheint. Die Formel (individuelle) Arbeit gegen (individuelle) Armut war der damals vorherrschenden merkantilistischen Wirtschaftsordnung noch wesensfremd.

Belegt sehr eindrucksvoll, dass sich der von den Klerikern verteufelte „4. Stand“ gesellschaftlich längst etabliert hatte. Dem hartnäckigen Kampf gegen den „Wucher“ kam nun, gemäß den Analysen des französischen Historikers Jaques LeGoff, überraschenderweise eine Bedeutung bei der Aufwertung von kirchlich (positiv) sanktionierten Erwerbstätigkeiten zu (vgl. LeGoff 1988: 44). Galten alle Erwerbstätigkeiten bei den Menschen des Mittelalters zuvor als Sühne (Strafe) für den Sündenfall, so wurden sie nun mehr und mehr als Instrument des Heils und des Loskaufs vom Stand der Sünde betrachtet.

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